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08.02.2010, 10:00 Uhr
Dr. Mark Mobius: Die BRIC-Märkte 2010
Globale BRIC-Aktienfonds verzeichneten 2009 Rekordzuflüsse. Wird sich dieser Trend auch in 2010 fortsetzen? Dr. Mark Mobius beantwortet diese und weitere Fragen im Abschnitt Thema des Monats: Die BRIC-Märkte 2010.

Überblick

Der Optimismus hielt in die erste Januarhälfte hinein an. Die Schwellenmärkte erklommen am 11. Januar ein 17-Monats-Hoch. Die Marktstimmung wurde jedoch gedämpft durch Sorgen um die Stärke des globalen Aufschwungs, die Verschärfung der Politik in China zur Vermeidung von Überhitzung in bestimmten Sektoren, Griechenlands hohe Verschuldung und einen Vorschlag von US-Präsident Barack Obama zur Zerschlagung der großen Investmentbanken, was sich auf die Rentabilität auswirken könnte. Der MSCI Emerging Markets beschloss den Monat trotz eines Anstiegs um 4% in den ersten Januarwochen in US-Dollar mit 6% im Minus.

Am stärksten präsentierten sich im Januar die osteuropäischen Märkte. Die Tschechische Republik, Ungarn und Russland verbuchten ein positives Monatsergebnis. Gestiegenes Anlegervertrauen infolge einer fundamentalen Verbesserung der Wirtschaftslage des Landes und der jüngsten Hochstufung der Bonität verhalfen dem türkischen Markt im Schwellenländervergleich zu einem Vorsprung. Er rentierte in US-Dollar 2%. In Asien zeigten sich die Investoren zunehmend besorgt um die chinesischen Bestrebungen zur Dämpfung des Inflationsdrucks und des rasanten Wirtschaftswachstums, was in der Region zu einer Marktkorrektur führte. Wir glauben nicht, dass die staatlichen Maßnahmen den breiteren Wirtschaftsaufschwung des Landes ernsthaft gefährden. In Lateinamerika lag Brasilien mit einem Rückgang um 11% in US-Dollar aufgrund des gefallenen Real im Ländervergleich unter dem Durchschnitt. Chile und Kolumbien beschlossen den Januar dagegen mit Gewinnen.

Aktuelles aus den Regionen

In China beschleunigte sich das BIP-Wachstum 2009 im Jahresvergleich auf 8,7% und übertraf damit das Regierungsziel von 8%. In den letzten drei Monaten des Jahres wuchs das BIP um 10,7% gegenüber dem Vorjahr. Im 3. Quartal waren es noch 9,1% gewesen. Getragen wurde das Wachstum von Chinas expansiver Kreditpolitik sowie von höheren Staatsausgaben und regerer Verbrauchernachfrage. Die Exporte verzeichneten im Dezember erstmals seit über einem Jahr Zuwächse, was einem besseren globalen Konjunkturausblick zuzuschreiben war.

Die Ausfuhren legten im Jahresvergleich um 17,7% zu. Im November hatten sie 1,2% abgenommen. Der Wirtschaftsaufschwung und die höhere Binnennachfrage trieben die Verbraucherpreise im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 1,9% in die Höhe. Das war der zweite monatliche Anstieg in Folge nach neun Abwärtsmonaten. Im Januar ging die People’s Bank of China (PBOC) im Rahmen ihrer Bemühungen zur Eindämmung exzessiven Kreditwachstums zu einer Straffung der Geldpolitik über. Die PBOC hob die Mindestreservesätze für Banken für die größten Banken des Landes um 50 Basispunkte (0,5%) auf 16% und für kleinere Institute auf 14%. Auch die Renditen für Staatsanleihen wurden nach oben getrieben.

In Südkorea verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum im 4. Quartal 2009, weil Exporte und Staats- und Konsumausgaben im Berichtszeitraum zurückgegangen waren. Das BIP verzeichnete im Quartalsvergleich mit 0,2% ein leichtes Plus, nachdem es im 3. Quartal 3,2% zugelegt hatte. Die Ausfuhren verringerten sich in den letzten drei Monaten 2009 im Quartalsvergleich um 1,8%, während sie im Vorquartal um 5,2% gestiegen waren. Die Staatsausgaben gingen im Quartalsvergleich um 2,9% zurück, der private Konsum um 0,1%. Der Anstieg um 1,5% vom 3. Quartal verkehrte sich damit ins Gegenteil. Im ganzen Jahr nahm das BIP im Jahresvergleich um 0,2% zu. Die Zentralbank prognostiziert für 2010 ein BIP-Wachstum von 4,6% gegenüber dem Vorjahr. Sie beließ ihren Leitzins im Januar im elften Monat in Folge auf einem Rekordtief von 2%, um die heimische Wirtschaft weiter zu stützen.

Die indische Regierung hob ihre BIP-Wachstumsprognosen für das Fiskaljahr 2009/2010 (April bis März) im Januar auf 7,8% an. Staatliche Anreize, niedrige Zinsen und gestiegene Inlandsnachfrage dürften das Wachstum von Industrieproduktion, Investitionen und Exporten weiter ankurbeln. In der ersten Hälfte des Fiskaljahrs wuchs das BIP im Jahresvergleich um 7,0%. Die Industrieproduktion erreichte mit einem Plus von 11,7% gegenüber dem Vorjahr im November ein Zweijahreshoch, nachdem sie im Oktober im Jahresvergleich um 10,3% zugenommen hatte. Die Reserve Bank of India kündigte im Januar eine Anhebung des Mindestreservesatzes um 75 Basispunkte (0,75%) auf 5,75% an, um dem System überschüssige Liquidität zu entziehen und so für Preisstabilität zu sorgen und anziehenden Inflationsdruck zu bekämpfen.

Die Erhöhung wird im Februar in zwei Schritten erfolgen. Ihre Leitzinsen veränderte die Bank jedoch nicht. Die Großhandelspreise stiegen im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 7,3% und damit stärker als im November mit 4,8% und so rasant wie zuletzt vor über einem Jahr.

Der private Konsum in Brasilien nahm in der zweiten Hälfte 2009 weiter zu. Die Einzelhandelsumsätze kletterten im November gegenüber dem Vorjahr um 8,7%, nachdem sie im Oktober 8,6% gestiegen waren – eine deutliche Verbesserung gegenüber den im Mai 2009 im Jahresvergleich verzeichneten 2,9%. Der Inflationsdruck blieb stabil. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Dezember 2009 gegenüber dem Vorjahr um 4,3%, was in etwa der Rate vom November (von 4,2% im Jahresvergleich) entsprach und innerhalb des Zielbandes der Zentralbank lag. Brasilien gehörte 2009 erneut zu den attraktivsten ausländischen Anlagezielen in der Schwellenländerkategorie. FDI-Zuflüsse infolge von Fusionen und Übernahmen beliefen sich 2009 auf insgesamt 9,7 Mrd. US-Dollar und machten rund 60% der auf Lateinamerika entfallenden Gesamtströme aus.

Die südafrikanische Regierung setzte Verbesserungen im Gesundheitswesen, Arbeitsbeschaffung und Verbrechensbekämpfung als Prioritäten für die nächsten fünf Jahre fest. Die Inflation übertraf im Dezember erstmals seit drei Monaten die von der Zentralbank anvisierte Bandbreite von 3 bis 6%. Die Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich um 6,3%. Im November waren es 5,8% gewesen. Der Inflationsanstieg war die Folge einer niedrigen Vergleichsbasis vom Dezember 2008. Der Produktionssektor zog im November mit der dritten monatlichen Erhöhung des Outputs in Folge weiter an. Im Jahresvergleich bestand jedoch immer noch ein Minus von 4,7%, das allerdings so gering ausfiel wie in diesem Jahr bisher noch gar nicht und nicht einmal die Hälfte des im Oktober verzeichneten Einbruchs von 9,6% ausmachte. Die Einzelhandelsumsätze gaben im November jedoch mit einem Rückgang um 6,6% gegenüber dem Vorjahr nach. Im Oktober waren es noch 6,1% gewesen.

Der russische Industriesektor tendierte weiter aufwärts. Die Produktion nahm im Dezember gegenüber dem Vormonat im vierten Monat in Folge zu. Der Output stieg im Dezember im Monatsvergleich um 5,0% und im Jahresvergleich um 2,7%. Die Produktionsleistung verbuchte mit einem Plus von 0,7% im Dezember den ersten jährlichen Zuwachs seit über einem Jahr. Der Inflationsdruck ließ in Russland weiter nach. Die Verbraucherpreise stiegen 2009 gegenüber dem Vorjahr um 8,8% und damit geringer als 2008, als die Teuerung noch 13,3% gegenüber dem Vorjahr betrug, und so schwach wie zuletzt 1992. Dadurch konnte die Zentralbank ihre expansive Währungspolitik weiterführen. Sie senkte den Leitzins Ende Dezember 2009 um 25 Basispunkte (0,25%) auf 8,75%.

In der Türkei ging die Arbeitslosenquote von September bis November von 13,4% im Vorquartal auf 13,0% zurück. Das Privatisierungsprogramm der Regierung machte 2009 weiter Fortschritte. Im Berichtsjahr wurden Transaktionen über 2,3 Mrd. US-Dollar unterzeichnet. Das staatliche Haushaltsdefizit erhöhte sich 2009 von 11,6 Mrd. US-Dollar im Vorjahr auf 34,8 Mrd. USDollar, blieb damit aber noch unter den Prognosen des mittelfristigen Wirtschaftsprogramms. Finanzminister Mehmet Simsek stellte ferner fest, dass die Monatswerte gegen Jahresende unerwartet gut ausfielen.

Thema des Monats: Die BRIC-Märkte 2010

Globale BRIC-Aktienfonds verzeichneten 2009 Rekordzuflüsse. Glauben Sie, dass sich dieser Trend 2010 fortsetzt? Anders gefragt: Werden die Aktienmärkte der BRIC-Länder weiter besser abschneiden als die globalen Märkte? Aus welchem Grund? Wenn nicht, welche Schwellenmärkte werden Ihrer Ansicht nach überdurchschnittlich rentieren?

Wir gehen zwar schon davon aus, dass sich die BRIC-Märkte auf lange Sicht gut entwickeln, dürfen darüber aber nicht vergessen, dass diese Märkte kurzfristig durchaus Volatilität zeigen können. Ein Investor, der seine Anlagen nicht mindestens vier oder fünf Jahre halten möchte, wird daher möglicherweise keine gute Wertentwicklung erzielen.

Welches Land oder welche Länder des BRIC-Spektrums sprechen Sie im Hinblick auf Aktienanlagen 2010 besonders an? Warum?

Unsere größten Positionen stammen aus Brasilien, China und Indien, doch wir halten und kaufen auch weiterhin russische Aktien, weil sie reizvoll bewertet sind und langfristiges Potenzial bieten. Auf allen vier Märkten gibt es derzeit Gelegenheiten und es ist schwer, einen besonders hervorzuheben.

Welche Sektoren bevorzugen Sie in BRIC-Märkten? Warum? Viele konzentrieren sich auf konsumabhängige Aktien aus BRIC-Ländern. Welche Unternehmen aus BRIC-Märkten sollten Ihres Erachtens von Konsum-Storys besonders profitieren?

Wir favorisieren zwei Sektoren: Rohstoffe und Konsum. Bevorzugt engagieren wir uns in Unternehmen mit starker Präsenz in der Produktion von Rohstoffen wie Öl, Eisenerz, Nickel, Platin und ähnlichen Produkten. Im Konsumbereich interessieren wir uns für Verbraucherbanken und Unternehmen aus dem Einzelhandel und der Herstellung von Einwegkonsumprodukten.

Wie lange wird das Auffüllen der Rohstoffbestände noch anhalten? Rechnen Sie angesichts des wackeligen globalen makroökonomischen Umfelds für nächstes Jahr mit fallenden Rohstoffpreisen? Ist es ratsam, die Gewichtung von verhältnismäßig rohstoffabhängigen Märkten wie Brasilien und Russland auf Indien und China zu verschieben?

Wir rechnen weiterhin mit einem Aufwärtstrend der Rohstoffpreise, teils wegen des schwachen US-Dollar, aber auch, weil die globale Nachfrage nach Rohstoffen langfristig das Angebot übersteigen sollte. Spekulation auf den Derivatemärkten dürfte die Volatilität in diesem Sektor jedoch verschärfen und wir gehen davon aus, dass der Aufwärtstrend bei Rohstoffen nicht gleichmäßig verlaufen dürfte.

Angesichts des anziehenden Konjunkturaufschwungs und des steigenden Inflationsdrucks sieht es so aus, als könnten die BRIC-Volkswirtschaften ihre Zinsen als Erste anheben. Wie wirken sich solche Maßnahmen auf die Aktienmärkte aus?

Ein Zinsanstieg hat natürlich einen negativen Effekt auf die Märkte, wenn die Inflation nicht zeitgleich anzieht. Steigen die Inflationsraten stärker als die Zinssätze, sind die Auswirkungen unter Umständen nicht so nachteilig. Wir müssen jedoch bedenken, dass die Zinsen nur einer von vielen Faktoren sind, die die Märkte beeinflussen. Es spielen auch viele andere Aspekte eine Rolle.

Heißes Geld und potenzielle Spekulationsblasen gehören zu den größten Sorgen in Bezug auf die BRIC-Länder. Wie ist Ihre Ansicht zu diesen Fragen? Was sind die größten Risiken für die BRIC-Aktienmärkte für 2010?

„Heißes” Geld kursiert überall auf der Welt. Dabei spielen Hedgefonds und Derivate eine wesentliche Rolle. Der Gesamtwert der Derivate liegt derzeit bei über 600 Bio. USDollar – dem Zehnfachen der gesamten Wirtschaftsleistung der Welt. Diese Derivate können zur Blasenbildung beitragen, wie wir es auf dem US-Immobilienmarkt beobachtet haben. Das dürfte meiner Ansicht nach die größte Gefahr für die globalen Märkte sein – BRIC-Aktien eingeschlossen.

Was sind für 2010 die reizvollsten Anlagethemen bei brasilianischen Aktien? Warum?

Brasilien ist der größte investierbare Markt Lateinamerikas. Es ist nicht nur ein wichtiger Rohstoffproduzent und -exporteur, sondern auch ein Land mit großer und wachsender Verbraucherbasis. Brasiliens Wirtschaft ist diversifiziert und weitgehend inlandsabhängig. Auf den Export entfällt nicht einmal ein Viertel des BIP. Diese binnenwirtschaftliche Stärke ist einer der Gründe, aus denen sich Brasiliens Wirtschaft im Vergleich schneller erholte als die meisten anderen Volkswirtschaften weltweit. Sein großer Verbrauchermarkt bietet einem breiten Spektrum von Unternehmen Chancen wie Finanzdienstleistern, Unternehmen des Gesundheitswesens, Kosmetikfirmen und Getränkeherstellern.

Und Ihr Ausblick für Russland?

Unser langfristiger Ausblick für Russland ist insgesamt positiv. Das Land verfügt mit über 400 Mrd. US-Dollar über die dritthöchsten Devisenreserven weltweit. Ferner besitzt Russland einen großen Anteil an den natürlichen Ressourcen der Erde und viele Rohstoffunternehmen des Landes gehören global zu kostengünstigsten Produzenten. Nicht zuletzt ist interessant, dass der russische Markt auf der Grundlage der aktuellen Bewertungen zu den billigsten des Schwellenländeruniversums gehört.

Wie beurteilen Sie den indischen Markt mit Blick auf 2010?

Die fundamentale makroökonomische Situation Indiens hat sich deutlich gebessert. Die Regierung hat die wirtschaftspolitischen Herausforderungen der jüngsten Krise gut gemeistert. Im Gegensatz zu Unternehmen aus den USA und Europa können die meisten indischen Unternehmen mit soliden Bilanzen und kräftigen Cashflows aufwarten. Der indische Aktienmarkt hat sich 2009 gut entwickelt und dürfte andere Schwellenländer auch im nächsten Jahr wieder überflügeln.

In welchem Maße werden sich die folgenden Ereignisse im kommenden Jahr auf die chinesischen Aktienmärkte auswirken?

(i) Schwacher oder nur leicht anziehender Export

Eine Exportschwäche wird den chinesischen Produktionssektor beeinträchtigen. Jede Steigerung ist gut für die Wirtschaft und die Aktienmärkte.

(ii) Ausstiegsstrategien der PBOC (People’s Bank of China)

Erfolgt der Liquiditätsentzug systematisch, sollte er keine schwerwiegenden Folgen für den Aktienmarkt haben. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die PBOC Maßnahmen ergreift, die die Aktienmärkte destabilisieren.

(iii) Die potenzielle Gefahr von Preisblasen bei Vermögenswerten

Blasen haben, wenn sie unkontrolliert bleiben, ernste langfristige Konsequenzen für die Aktienmärkte. Die PBOC hat sich bisher außerordentlich bemüht, sämtliche solche Preisblasen in Schach zu halten. Potenzielle Eingriffe könnten auf kurze Sicht nachteilig wirken, sind jedoch für langfristig orientierte Investoren von Vorteil.

Dr. Mark Mobius, Executive Chairman,
Templeton Asset Management Ltd.




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